Metallpreise verstehen, nicht raten.

LME, BDSV, Marienhütte: welche Notierung für welches Material gilt — und wie daraus Ihr Preis wird.

Metallpreise

Fix oder börsengebunden

Fix

Ein Preis, der für einen Zeitraum vereinbart ist. Er bewegt sich nicht, egal was die Börse macht.

Spricht dafürPlanbar. Beide Seiten wissen am ersten Tag, was am letzten Tag gilt.

Spricht dagegenSteigt der Markt, bleibt der Preis trotzdem stehen.

An eine Notierung gebunden

Der Preis hängt an einer Notierung und bewegt sich mit ihr, plus oder minus einem Abschlag für die Sorte.

Spricht dafürMarktgerecht. Jede Bewegung ist an der Quelle nachlesbar.

Spricht dagegenDer Wert steht erst fest, wenn der Stichtag erreicht ist.

Welches Modell passt, hängt an Material, Menge und Zeithorizont. Wir legen das vor jedem Geschäft offen und begründen es.

Für diese Materialien gelten die Notierungen

  • LME Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Blei, Zinn
  • BDSV Eisen- und Stahlschrott in Deutschland
  • Marienhütte Stahlschrott in der Region Graz
  • EUWID NE-Schrotte und weitere Altstoffe im deutschsprachigen Raum
  • Fastmarkets Sonderlegierungen, Hartmetall, Ferrolegierungen, Nebenmetalle

Das ist eine Orientierung. Welche Preisreihe tatsächlich gilt, steht in Ihrem Vertrag.

Die fünf Notierungen im Überblick

LME, London Metal Exchange

Woher
Eine Terminbörse in London. Der Preis entsteht aus dem Handel selbst, täglich, in US-Dollar je Tonne.
Wofür
Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Blei, Zinn. Daneben führt sie Kontrakte auf Stahlschrott und Warmband, die sich aber auf Importmärkte wie die Türkei beziehen.
Stärke
Weltweit dieselbe Zahl, jederzeit überprüfbar, und man kann sich darauf absichern.
Grenze
Sie notiert reines Metall in Börsenqualität. Ein Schrott ist das nicht, daher der Abschlag.

Notiert wird in US-Dollar. Im Portal lässt sich auf Euro umschalten, umgerechnet zum Referenzkurs der Europäischen Zentralbank.

LME-Tageskurse

BDSV

Woher
Der deutsche Stahlrecycling-Verband. Seine Mitglieder melden Preise und Mengen an eine neutrale Stelle, ausgewertet wird der 1. bis 20. des Monats.
Wofür
Eisen- und Stahlschrott in Deutschland, fünf Sorten, dazu die Sortenliste, mit der Stahlschrott überhaupt vergleichbar wird.
Stärke
Der gemeinsame Nenner. Ohne ihn redet jeder über eine andere Sorte.
Grenze
Es sind Verkaufspreise ab Platz, also der Wert am Ausgang des Schrottplatzes, nicht der Preis an Ihrem Werkstor. Veröffentlicht wird im Folgemonat.

BDSV-Monatspreise

Marienhütte

Woher
Ein Stahlwerk in Graz, das Schrott im Elektrolichtbogenofen zu neuem Betonstahl einschmilzt. Es gibt monatlich bekannt, wie sich seine Ankaufspreise verändern.
Wofür
Stahlschrott in Österreich, vor allem im Grazer Raum.
Stärke
Ein tatsächlicher Abnehmer sagt, was er zahlt. Näher am Markt geht es regional kaum.
Grenze
Die Notierung eines Werks, kein Durchschnitt. Bekannt gegeben wird die Veränderung, nicht der ganze Preis.

Marienhütte-Notierung

EUWID

Woher
Ein Fachverlag. Eine Redaktion erhebt die Preise im laufenden Kontakt mit Marktteilnehmern und veröffentlicht sie als Preisspiegel mit Spannen.
Wofür
NE-Schrotte, Stahlschrott und weitere Altstoffe im deutschsprachigen Raum.
Stärke
Deckt ab, wofür es keine Börse gibt. Verträge nennen eine bestimmte Preisreihe und einen Ausgangsmonat und schreiben sie von dort fort.
Grenze
Eine Erhebung, keine gehandelte Zahl. Was genau gilt, steht in Ihrem Vertrag, nicht in der Veröffentlichung.

EUWID Recycling (öffnet in neuem Fenster)Die Preisdetails dort sind kostenpflichtig.

Fastmarkets

Woher
Eine Preisagentur, hervorgegangen aus dem Metal Bulletin. Redakteure erheben Abschlüsse und Angebote und leiten daraus Bewertungen nach geprüfter Methodik ab.
Wofür
Sonderlegierungen, Hartmetall und Wolfram, Ferrolegierungen, Kobalt, Nebenmetalle. Also auch vieles, was an keiner Börse gehandelt wird.
Stärke
Für viele dieser Metalle die maßgebliche öffentliche Bewertung.
Grenze
Bewertung statt Börse. Die Zahl bildet den Markt ab, sie entsteht nicht in ihm.

Fastmarkets (öffnet in neuem Fenster)Die Preisdetails dort sind kostenpflichtig.

Absicherung

Hedging: den Preis absichern, solange die Ware liegt

Material ist übernommen, ein Abnehmer steht noch nicht fest. In dieser Zeit bewegt sich die Notierung, und die Bewegung trägt allein, wer die Ware hat.

Was passiert. Gegen die eingekaufte Menge wird an der Börse eine gleich große Gegenposition eröffnet. Das nennt man Positionshedging.

Was das bewirkt. Fällt der Kurs, verliert die Ware an Wert und die Gegenposition gewinnt im selben Maß. Steigt er, ist es umgekehrt. Beide Male bleibt am Ende dasselbe übrig.

Was es kostet. Eine Gebühr je Tonne, vorher mit dem Broker vereinbart. Sie geht in den Einkaufspreis ein wie Fracht oder Aufbereitung.

Was das bringt. Der Deckungsbeitrag steht am Tag des Einkaufs fest, nicht erst am Tag der Lieferung.

Ob sich das für ein konkretes Geschäft lohnt, hängt an Menge, Laufzeit und Vertrag. Das gehört ins Gespräch.

Beispiel ansehen24 Tonnen Kupfer, Schritt für Schritt durchgespielt
Szenario

Schritt 1 von 5

Kupfernotierung 13.000€/t · Beispielwert Position abgesichert
Kursverlauf über sieben Tage mit Einkaufs- und Verkaufspunkt 13.600 13.300 13.000 12.700 12.400 Tag 0 Tag 7 Tag 0 · Einkauf Tag 7 · Verkauf
Ware24 t Kupfer 312.000 €±0
Absicherungnoch nicht geöffnet –±0
Kurswirkung auf Ihr Ergebnisungesichert, volle Bewegung ±0 €

− Gebühr je Tonnevorher mit dem Broker vereinbart und im Einkaufspreis einkalkuliert

1Ausgangslage

Der umgekehrte Fall. Wer bereits verkauft hat und erst noch einkaufen muss, sichert mit einer Long-Position ab. Gleiche Mechanik, gedrehte Richtung.

Worauf man achten muss

Die Menge

Verkauft wird eine feste Menge zu einem festen Preis. Liefern Sie 20 statt 25 Tonnen, muss der Käufer die fehlenden fünf woanders einkaufen, und Sie liefern sie später zum alten Preis nach, auch wenn Kupfer inzwischen deutlich teurer ist. Abgesichert wird deshalb nur die Menge, die Sie sicher haben.

Wer fixiert

In jedem Vertrag fixiert eine Seite den Preis. Diese Seite trägt das Risiko, und nur diese Seite kann sich mit einer Hedging-Position absichern.

Die Kosten

Eine Gebühr je Tonne, vorher bekannt. Sie gehört in die Kalkulation wie Fracht oder Aufbereitung, dann gibt es am Ende keine Überraschung.

Das Restrisiko

Abgesichert ist der Metallwert. Der Auf- oder Abschlag für die Sorte bleibt offen, dafür gibt es keinen Kontrakt.

Gehandelt wird nicht direkt an der Börse, sondern über einen Broker. Im Ring der LME darf nur die höchste Mitgliedschaftsstufe handeln, Category One. Zu diesen Ring Dealing Membern gehört etwa StoneX (öffnet in neuem Fenster). Über solche Häuser laufen Ausführung und Abwicklung.

Beispielwerte zur Veranschaulichung. Keine Notierung, keine Empfehlung, nicht rechtsverbindlich.

Live-Werte im Portal

Tagesaktuelle Notierungen, Kursverläufe und die für Sie relevanten Referenzen sehen Sie eingeloggt im Kundenportal — freigeschaltet je Kunde, nicht öffentlich einsehbar. Noch keinen Zugang oder eine Frage zur Preisbasis Ihres Materials? Sprechen wir darüber — wir antworten mit einem Plan.

Live-Preise abonnierenZum Kundenportal

Orientierungswerte. Keine Handelskurse, keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr; Irrtümer sowie Übertragungs- und Datenfehler bleiben vorbehalten.

Häufige Fragen

Warum bekomme ich nicht den Preis, der im Index steht?

Weil ein Index ein Anhaltspunkt ist und kein Angebot. Vom Indexwert gehen die Kosten ab, die zwischen Ihrem Material und dem fertigen Einsatzstoff liegen, also Sortierung, Lagerung, Transport und die Abschläge, die das Werk für Aufbereitung und Einschmelzen ansetzt. Deshalb heißt die Preisbasis im Vertrag fast nie nur LME, sondern LME minus Abschlag, bei sehr sauberen Fraktionen auch LME plus. Die LME selbst nennt als Gründe für Auf- und Abschläge die Lage, die Sorte, Verunreinigungen und die Lieferbedingung. Wir benennen den Abschlag vor dem Geschäft und begründen ihn.

Warum sind die öffentlichen LME-Kurse nicht tagesaktuell?

Weil Echtzeitkurse lizenzpflichtig sind. Die LME gibt sie nur über lizenzierte Anbieter weiter und verlangt dafür eine monatliche Gebühr je Nutzer, auch verzögerte Pakete laufen über Abonnements. Öffentlich sichtbare Kurse sind deshalb fast immer verzögert. Wer den Markt tagesaktuell verfolgen muss, braucht einen Zugang über einen Preisdienst, und die meisten Schrotthändler haben einen. Unsere Kunden sehen die für sie relevanten Werte im Kundenportal.

In welcher Währung wird gerechnet?

Die LME notiert in US-Dollar je Tonne. Dabei sind zwei Dinge zu trennen. Im Portal können Sie die Anzeige auf Euro umschalten, umgerechnet zum Referenzkurs der Europäischen Zentralbank. Das ist eine Anzeige, kein Abrechnungskurs. Abgerechnet wird zu dem Kurs, der im Vertrag vereinbart ist. Dort steckt ein Detail, das oft übersehen wird. Manche Formeln rechnen zum Umrechnungskurs eine Umtauschgebühr hinzu, etwa 0,003 Punkte. Weil der Dollarbetrag durch den Kurs geteilt wird, macht ein höherer Kurs den Eurobetrag kleiner. Die Gebühr klingt winzig und verringert Ihren Erlös trotzdem. In anderen Verträgen steht der Preis direkt in Euro. Was gilt, steht in der Formel, und wir legen sie offen.

Was ist besser, fix oder börsengebunden?

Eine Bindung an die Notierung bildet ab, was der Markt am Stichtag tatsächlich macht. Ein Fixpreis enthält dagegen oft einen Risikoabschlag des Abnehmers, weil er das Kursrisiko übernimmt. Dafür lässt sich mit einem Fixpreis rechnen. Bei einer Bindung steht der Wert oft erst später fest. Verkaufen Sie am Nachmittag und gilt die Mittagsnotierung, wird in vielen Verträgen erst der Mittagskurs des Folgetags herangezogen. Das ist schwerer zu kalkulieren, dafür bewegt sich der Preis mit dem Markt.

Wer legt fest, welche Notierung für mein Material gilt?

In den meisten Fällen gibt der Käufer die Preisbasis vor. Das ist üblich und trotzdem einen Blick wert, denn nicht jede Notierung passt genau zum Material. Manche bewegen sich selten, was in fallenden Märkten hilft und in steigenden bremst. Wir prüfen vor dem Geschäft, ob die vorgegebene Notierung zum Material passt, und sagen es, wenn sie es nicht tut.

Wie oft ändert sich die Preisbasis?

Das hängt am Metall. Buntmetalle bewegen sich an der Börse laufend, abgerechnet wird trotzdem gegen einen festen Punkt, also die Mittagsnotierung, einen Monatsdurchschnitt oder einen Durchschnitt über drei Monate, je nach Vereinbarung. Ein solcher Durchschnitt ist nicht dasselbe wie die LME-Notierung „3-Month“, die einen Terminpreis meint. Bei Stahlsorten ist der Takt monatlich. Welcher Punkt gilt, gehört in den Vertrag und nicht in die Auslegung.

Was passiert, wenn ich später liefere als vereinbart?

Die Lieferfrist ist kein Richtwert. Werke planen Mengen für ihre Produktion ein und haben zu bestimmten Preisen eingekauft, um Monats- und Quartalsabschlüsse rechnen zu können. Ein Verzug bringt diese Planung durcheinander. Je nach Abnehmer gibt es Toleranzen, es kann aber auch eine Pönale fällig werden, und im Wiederholungsfall wird ein Lieferant gesperrt. Wenn ein Termin wackelt, ist die frühe Meldung fast immer billiger als die späte Lieferung.

Wo sehe ich die tagesaktuellen Werte?

Über einen Preisdienst, der Live-Kurse direkt von der LME bezieht. Davon gibt es mehrere Anbieter, die meisten Schrotthändler haben einen Zugang. Für unsere Kunden läuft das über das Kundenportal, freigeschaltet je Kunde, mit den Referenzen, die für ihr Material gelten.

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